Loupedeck: Lightroom-Tastatur im Test


Loupedeck ist eine Spezialtastatur bzw. ein Mischpult für das Adobe-Bildbearbeitungsprogramm Lightroom 6. Anstatt per Maus Schieberegler wie Weißabgleich oder Kontrast zu verändern, geschieht dies beim Loupedeck mit diversen Drehreglern. Das Ziel sollte es sein, komplett auf Maus und Tastatur verzichten zu können. Gerade als Hochzeitsfotograf bearbeitet man natürlich unzählige Hochzeitsbilder und mit dem Loupedeck könnte es möglich sein, den Arbeitsablauf zu beschleunigen. Ein weiterer Kaufgrund war für mich die Ergonomie, da meine Hand schmerzt, wenn ich diese acht Stunden auf einer Maus ablege.

Mit rund 300 Euro ist das Loupedeck auf den ersten Blick nicht ganz günstig. Allerdings sollte man bedenken, dass dies kein Massenprodukt ist und die Geräte in Finnland und nicht in China gebaut werden. Auch die spezielle Loupedeck-Software, die übrigens ständig weiterentwickelt wird, ist nicht zu unterschätzen. Daher halte ich den Preis für gerechtfertigt, wenn man mit der Fotografie sein Geld verdient, zumal Fotografen von Kameras und Objektiven ganz andere Preisklassen gewöhnt sind. Ins Leben gerufen wurde Loupedeck übrigens über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo.

Kinderleichte Installation

Der Hersteller weist die Käufer darauf hin, dass zunächst die Software installiert werden sollte, bevor das Loupedeck per USB an den PC angeschlossen wird. Die stets aktuelle Software findet man dabei auf der Loupedeck-Webseite. Dabei folgt man einfach den Bildschirmanweisungen und nach wenigen Augenblicken kann das USB-Kabel angestöpselt werden und das Loupedeck ist einsatzbereit. Über die Software können anschließend die C1- bis C2-Tasten sowie die P1- bis P8-Preset-Tasten individuell konfiguriert werden. Pro Tasten lassen sich zwei Funktionen zuweisen, denn wird die die „Fn“-Taste gedrückt gehalten, können alle Tasten noch mit einer weiteren Funktion belegt werden. Bei der „C1“-Taste handelt es sich um einen Drehregler, diesen habe ich zum „Schärfen“ vorgesehen, während ich „Fn+C1“ zur „Rauschreduzierung“ konfiguriert habe. Bei „C2“ und „C3“ handelt es sich nur um Knöpfe, hier stehen elf Funktionen (u. a. Radial Filter oder nach links oder rechts drehen) zur Auswahl, mit denen diese Knöpfe belegt werden können. Bei den „P“-Tasten handelt es sich um Preset-Tasten, bis zu 16 Presets können inkl. der „Fn-„Taste ausgewählt werden.

Hochwertiger Eindruck trotz Plastik

Bei einem Prei von 300 Euro hätte man sich natürlich gewünscht, dass die silberne Unterseite der Lightroom-Tastatur nicht aus Plastik, sondern aus Aluminium gefräst ist. Generell ist die Spezialtastatur recht leicht und wiegt nur 608 Gramm. Zum Vergleich: Meine Logitech Illuminated Keyboard wiegt 945 Gramm. Dennoch macht das Loupedeck einen hochwertigen Eindruck. Die Drehknöpfe fühlen sich angenehm an und auch die Rädchen unter den Preset-Tasten machen einen guten Eindruck. Alle Drehräder lassen sich auch drücken und setzen so die Einstellungen zurück. Etwas laut und schwergängig sind dagegen die Tasten. Gerade die Pfeiltasten verkanten sich teilweise etwas, wenn man diese nicht genau mittig drückt. An der Unterseite besitzt die Tastatur noch eine Kabelführung. Das Kabel löst sich aber leider viel zu leicht wieder, sodass ich die Kabelführung nicht nutze. Sollte das Loupedeck ein Erfolg werden, können die Entwickler auch mal über eine neue Revision mit Funkanbindung wie Bluetooth nachdenken. Schön wären auch noch kleine Füße gewesen, mit der sich das Loupedeck optional wie eine klassische Tastatur aufstellen lässt.

Ich arbeite an einem 27-Zoll-Monitor mit WQHD-Auflösung (2.560 x 1.440 Pixel). Dennoch ist die Bildfläche gefühlt etwas klein, wenn die ganzen Lightroom-Menüs zu sehen sind. Dank Loupedeck kann man jetzt auch die Schaltflächen mit den Reglern ausblenden und sich so komplett auf das Bild konzentrieren. Die Entwickler haben dem Loupedeck sogar eine eigene „Full Screen“-Taste verpasst. Lightroom ist ja nicht gerade für die hohe Performance berühmt. Im Vollbildmodus werden die Änderungen leider nicht genauso verzögerungsfrei dargestellt, daher arbeite ich nicht dauerhaft im „Full Screen“-Modus und bin über die eigene Taste dankbar. Die „Vorher/Nachher“-Taste stellt die beiden Bildversionen nebeneinander. Praktischer wäre es gewesen, wenn die Änderungen am gleichen Bild gezeigt werden, wie mit der Tastenkombination „Shift + V“. Allerdings verhindert die Lightroom-API anscheinend diese Funktion auf eine Taste zu legen. Da bleibt nur zu hoffen, dass Adobe mit einem Update oder Lightroom 7 nachbessert. Nachbessern will auch Loupedeck noch bei der Funktion der Drehregler. Aktuell lässt sich die Geschwindigkeit der Regler noch nicht anpassen, in den nächsten Wochen soll aber ein Update mit genau dieser Funktion kommen.

Mit den Knöpfen wählt ihr zunächst entweder den Farbton, die Sättigung oder die Luminanz aus und könnt dann mit den Rädchen die einzelnen Farbkanäle anpassen.

Mit dem großen Drehrad lässt sich das Bild ganz einfach drehen. Wird zusätzlich die „Fn“-Taste gedrückt gehalten, ist der Drehvorgang des Bildes noch viel feiner. Wird das Drehrad gedrückt, kann das Bild beschnitten oder verschoben werden. In diesem Fall muss dann aber wieder zur Maus gegriffen werden. Noch ein kleiner Tipp: Wird nur die „Fn“-Taste gedrückt und man befindet sich beispielsweise gerade in Photoshop oder im Internet-Browser, wird das Lightroom-Fenster wieder in den Vordergrund gestellt.

Behringer X-Touch Mini eine günstige Alternative?

Als Alternative zum Loupedeck wird immer wieder das Behringer X-Touch Mini für aktuell rund 85 Euro genannt. Allerdings handelt es sich dabei um einen ganz normalen MIDI-Controller, welcher standardmäßig weder über entsprechende Tastenbeschriftungen noch über die passende Software verfügt. Für den X-Touch Mini gibt es aber das Lightroom-Plugin mit dem Namen MIDI2LR. Damit lassen sich die Tasten für Lightroom individuell anpassen, der Aufwand ist aber sicherlich deutlich höher als beim Loupedeck. Wer zudem die Tasten selbst beschriftet, kann damit sicherlich auch gut arbeiten. Ich selbst habe das X-Touch Mini aber nicht ausprobiert. Das Design und die fehlenden Beschriftungen haben mich abgeschreckt.

Fazit: Loupedeck Lightroom Keyboard

Die wichtigste Frage ist wohl, ob und wie stark das Loupedeck den Workflow optimiert. Grundsätzlich ist es sehr angenehm, wenn man dank Mischpult mit zwei Händen gleichzeitig an den Reglern arbeiten kann, hier ist man im Vergleich zur Einhandbedienung mit der Maus im Vorteil. Ob ich dadurch meine Hochzeiten in Zukunft schneller bearbeiten kann, muss sich erst noch zeigen, denn Übung macht den Meister und noch kann ich die Regler nicht blind bedienen, wie die Tasten auf einer Tastatur. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich Zeit sparen lässt, wenn man erst mal einige Hochzeitsreportagen mit dem Loupedeck abgearbeitet hat. Der zweite schöne Nebeneffekt ist, dass man den „Mausarm“ schont und nicht immer die gleiche Bewegung ausführt. Wer also mit der Fotografie Geld verdient und mit Lightroom massenhaft Bilder bearbeitet, sollte ernsthaft über eine Anschaffung nachdenken.

Update vom 07.10.2017: Software-Update 1.3.0 mit Empfindlichkeitseinstellung für Drehregler

Loupedeck fügte ab Version 1.3.0 Konfigurationsmöglichktein für die Drehregler hinzu. So kann jetzt die Empfindlichkeit der Drehregler und der Rädchen festgelegt werden. Jetzt muss man also nicht mehr ewig drehen, wenn man beispielsweise testweise schnell die Tiefen auf die maximale Stufe hochdrehen möchte. So kann man viel besser und vor allem schneller experimentieren. Einen kleinen Bug habe ich aber leider entdeckt. Manchmal passiert es, dass die Drehregler nun nicht mehr funktionieren, bzw. der Wert bei Lightroom nur um zwei verändert werden kann. Ich konnte das Problem zumindest temporär beheben, indem ich in den Loupedeck-Einstellungen die Empfindlichkeit noch mal etwas angepasst hatte und gespeichert hatte. Bleibt zu hoffen, dass das Problem in einem neuen Software-Update behoben wird.

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Ein Kommentar:

  1. Interessanter Beitrag, mal sehen, ob ich ein Pendant für meinen Raw Entwickler finde!

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